
8-teilige Workshopreihe
"Neuro-Digital Labs"

1. Die Projektidee: Ressourcen nutzen, Risiken erkennen
Der digitale Alltag stellt neurodivergente Menschen sowie ihr familiäres und berufliches Umfeld vor besondere Herausforderungen. In unserem Projekt wählen wir bewusst eine ressourcenorientierte Perspektive: Wir rücken das Potenzial digitaler Medien als Unterstützungssysteme in den Fokus, ohne dabei bestehende Risiken auszublenden. Dieser Empowerment-Ansatz bedeutet auch, die Teilnehmenden für digitale Gefahren – wie Reizüberflutung, problematische Nutzungsmuster (z. B. Doomscrolling), manipulative Inhalte oder Datenschutzrisiken bei KI – zu sensibilisieren. Wir begreifen digitale Anwendungen als essenzielle Assistenz-Tools zur Alltagsstrukturierung und emotionalen Regulation, erlernen aber gleichzeitig Strategien, um persönliche Belastungsgrenzen frühzeitig zu erkennen. Ziel ist es, gemeinsam passgenaue „Neuro-Hacks“ zu erarbeiten, die individuelle Stärken nutzen und zu einer gesunden, selbstbestimmten digitalen Balance führen.
2. Unser Community-Ansatz: Zielgruppenspezifisches Peer-to-Peer-Lernen
Um den unterschiedlichen Lebensrealitäten und spezifischen Bedürfnissen bestmöglich gerecht zu werden, wird das Projekt in den Präsenz-Modulen in zwei methodisch getrennten Lerngruppen umgesetzt:
- Direkt Betroffene: Erwachsene aus dem autistischen oder ADHS-Spektrum. Der Fokus liegt hier auf der eigenen Alltagsstrukturierung und der Mediennutzung als individueller Coping-Mechanismus.
- Angehörige: Eltern und Familienmitglieder von neurodivergenten Kindern oder Erwachsenen. Der Fokus liegt auf der Begleitung, der Co-Regulation im familiären Umfeld und dem Abbau von Konflikten rund um die häusliche Mediennutzung.
Diese gezielte Trennung ermöglicht in den Workshops einen geschützten, homogenen „Safe Space“ und ein hochgradig zielgerichtetes Peer-to-Peer-Lernen.
3. Das Ziel und Transfer-Produkt: Partizipative Co-Creation des „Neuro-Zines“
Alle Ergebnisse, Strategien und „Neuro-Hacks“, die in den Workshops erarbeitet werden, fließen in ein gemeinsames Endprodukt: das analoge, haptische „Neuro-Zine“ (ein kleines Magazin). Dieses bewusst reizarme, gedruckte Format bündelt das Wissen der Teilnehmenden. Um echtes Empowerment zu garantieren und Schreibdruck zu vermeiden, wird das Magazin in speziellen Redaktions-Workshops aktiv durch die Gruppen selbst erarbeitet – methodisch begleitet durch stressfreies „Micro-Tasking“. Nach Projektende dient das Heft dem Partnerverein als wertvolles, nachhaltiges Aufklärungs- und Selbsthilfematerial für die psychosoziale Praxis und interessierte Dritte.
4. Der
Ablauf: 8 Monate, 8 Meilensteine
Um sensorischen Overload zu vermeiden und den Teilnehmenden
ausreichend Zeit zu geben, die erlernten Strategien im Alltag
zu erproben, wird die Projektlaufzeit bewusst auf acht Monate
(November 2026 bis Juni 2027) gestreckt. Die Workshops starten
im November. Pro Zielgruppe findet so ein Präsenztermin pro
Monat statt (außer Dezember). Mehr Details zu den einzelnen
Terminen weiter unten.
Workshop kompakt
Mediale Selbsthilfe und
Co-Regulation im autistischen und
ADHS-Spektrum
● Projektträger: FAM – Fernseh
Akademie Mitteldeutschland gGmbH
● Kooperationspartner: Autismus
und AD(H)S im Landkreis Leipzig e.V.
● Projektförderung: SLM
Medienkompetenz
Zeitraum: November 2026 - Juni 2027
Ort: 7 x Grimma (Lebenshilfe, Gerichtswiesen), 1 x online
Referent: Benedict Mühln
Gruppen:
- Angehörige von Kindern/ Jugendlichen + Fachkräfte aus den Bereichen Kita/ Schule und Therapie für Kinder/Jugendliche
- Neurodivergente Erwachsene + Fachkräfte aus den Bereichen Begleitung/ Betreuung und Therapie für Erwachsene
Es sind pro Gruppe nur 10 Plätze.
Bitte melden Sie sich nur an, wenn Sie die Termine auch weitgehend wahrnehmen können. Hinweis für unsere Mitglieder: An den Tagen finden keine SHG-Treffen statt.
Der Kick-Off (Die digitale Inventur)
Ort: Grimma | Termin: November
● Gruppe 1: „Mapping“ der familiären Dynamiken. Verständnis
aufbauen, warum das betroffene Kind Medien nutzt, um Scham und
familiäre Konflikte abzubauen.
● Gruppe 2: „Mapping“ des eigenen digitalen Energiehaushalts.
Reflexion persönlicher Stressoren im Netz und Verstehen der
eigenen Mediennutzung (z. B. Regulation, Dopaminsuche).
Neuro-Lab „Fokus Autismus“ (Das digitale
Schutzschild)
Ort: Grimma | Termin: Januar
● Gruppe 1: Praktische Vermittlung zur reizarmen
Geräteeinstellung für Kinder. Erarbeitung von elterlichen
Co-Regulations-Strategien bei digitaler Reizüberflutung.
● Gruppe 2: Sensory Management am eigenen Smartphone (z. B.
Graustufen, Fokus-Modi). Soziale Navigation in Messengern und
bewusste Nutzung von Medien als Entspannungsraum
(Stimming/Meltdown-Prävention)
Neuro-Lab „Fokus ADHS“ (Der digitale
Motor)
Ort: Grimma | Termin: Februar
● Gruppe 1: KI zur familiären Alltagsstrukturierung. Strategien
zur elterlichen Begleitung der kindlichen Mediennutzung ohne
reine Verbotsnarrative.
● Gruppe 2: KI als externer Frontallappen (z. B.
Gedanken-Protokolle von KI sortieren lassen). Einrichtung von
digitalen Stolpersteinen gegen Doomscrolling und Nutzung von
Habit-Trackern gegen Zeitblindheit.
Redaktionswerkstätten (Partizipative
Magazinerstellung)
Ort: Grimma | Termine: März-Mai
Um das „Neuro-Zine“ inhaltlich komplett durch die Teilnehmenden
selbst erarbeiten zu lassen, finden drei aufeinander aufbauende
Workshops pro Gruppe statt:
● Magazin-Werkstatt I (Die „Ernte“): Auswertung der erprobten
Hacks und erste Stoffsammlung (via Micro-Tasking, Stichpunkte,
Audio-Aufnahmen).
● Magazin-Werkstatt II (Inhaltliche Ausarbeitung): Gemeinsames,
stressfreies Verfassen kurzer, zielgruppengerechter Texte und
Checklisten direkt vor Ort.
● Magazin-Werkstatt III (Design & Finalisierung): Die
Gruppen entscheiden über die Optik und Struktur. Die
Honorarkraft bündelt als „Chefredaktion“ die Materialien und
leitet den Gestaltungsprozess an.
Transfer-Webinar
Ort: Online | Gemeinsamer Termin: Mai
● Neurotypische Öffnung: Dieses Webinar fungiert als Brücke in
die Gesellschaft. Es richtet sich explizit auch an Fach- und
Lehrkräfte sowie eine neurotypische Öffentlichkeit, um
Perspektivwechsel zu vollziehen.
● Inhalte: Präsentation der besten „Neuro-Hacks“ aus Grimma,
barrierefreie Kommunikation im Netz und Co-Regulation im
Alltag.
Release & Abschluss - Fokus: Würdigung &
Community-Building
Ort: Grimma | Gemeinsamer Termin: Juni
● Feierliche Übergabe: Präsentation der ersten gedruckten
„Neuro-Zines“ an die Teilnehmenden zur Würdigung ihrer
Expertenrolle.
● Offenes Multiplikatoren-Netzwerk: Das Event ist für die
allgemeine Öffentlichkeit zugänglich, damit Betroffene,
neurotypische Angehörige, lokale Fachkräfte und die
Stadtgesellschaft ungezwungen bei Snacks und Getränken ins
Gespräch kommen können.
Vergangene Veranstaltungen
Vortrag Eva Baumann im Jagdhaus Kössern
Am 14. November hielt Eva Baumann unter dem Motto "Eine Autistin klärt auf über Autismus" einen spannenden und von zahlreichen persönlichen Anekdoten gespickten Vortrag zu den Themen Masking/ Camouflaging, Kommunikation zwisschen neurotypisch und neurodivers sowie Ernährung. Wir begrüßten knapp 70 Teilnehmende - Eltern, selbst Betroffene, Fachpersonen aus Therapie, Behörde, Schule und Kita. Eva Baumann unterhält unter #autismuskaffeepause einen Instagram Channel und spricht zahlreiche Themen in Videos auf Youtube an:

Eingliederungshilfe SGB VIII/ IX
In einem dreistründigen Vortrag und Austausch beriet Rechtsanwältin Luisa Milazzo zu Ansprüchen, Umgang mit Bescheiden und Fristen im Zusammenhang mit Eingliederungshilfe gem. SGB VIII und IX.



